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Hommage an Francesco Rosi: Carmen

Ich dachte schon, in einer anderen Vorstellung zu sitzen, doch erlebte gerade meinen ersten komplett als Oper inszenierten Film: Carmen, der anlässlich der Hommage an Francesco Rosi präsentiert wurde.

1984 inszenierte der italienische Regisseur diesen klassischen Stoff mit Placido Domingo in der Hauptrolle. Eigentlich bringt man Rosi eher mit sizilianischen Mafifafilmen in Verbindung. Auf diesem Gebiet drehte er mehrere Meisterwerke, beispielsweise das Filmdrama über den italoamerikanischen Gangsterboss Lucky Luciano (1974).

Die ersten Minuten der zweeinhalbstündigen Vorstellung beginnen. Ein Torrero dominiert kunstvoll den mächtigen schwarzen Stier, alles in Zeitlupe. Das Publikum auf den Rängen der Arena gibt tobenden Applaus. Wir befinden uns in Andalusien, die Sonne steht im Zenit.

Schnitt. Die Musik setzt ein und von nun an wird die Geschichte der Zigeunerin Carmen erzählt. Und fast ausschließlich in Versen gesungen, hervorragend sogar und untermalt mit einem klassischen Orchester. Dabei kommt eine Breite an Themen zur Sprache, eigentlich alles, was das Leben ausmacht, so wie ich es sonst in Goethes Faust, aber wohl kaum in einem Kinofilm erwarten würde.

Oft dreht sich die Handlung um Liebe in all seinen Facetten. Erstaunlich ist auch, mit welcher subtilen Erotik Rosi seine Inszenierung aufgeladen hat. Musik ist Leidenschaft, das bezeugt der Film in nahezu jeder Einstellung.

Für Cineasten ist dieser Film in jeder Hinsicht ein edler Genuss. Die Bildkomposition könnte nicht stilsicherer sein. Andalusien, sei es die Festung in Granada oder die unsterblich schöne Natur auf dem Land, alles ist mit einer umfassbaren Liebe zum Detail in Szene gesetzt. In dieser Bilderflut kann man sich herrlich, kontemplativ mittreiben lassen.

Rosis Carmen ist im Grunde genau das, was Produzenten mit "komerziell nicht verwertbar" bezeichnen. Er ist eine Rarität. Er vermittelt eine märchenhafte, exotische Welt und das Gefühl von Fernweh. Ich jedenfalls verlasse den Saal wie unter neuem Lebenselixier stehened und froh über den Zufall, den mir das Leben mit diesem Film zugespielt hat.

13.2.08 14:57
 


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