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Love And Other Crimes

Das serbische Kino ist im Kommen! Schon 2003 holte der 1977 in Belgrad geborene Regisseur Stefan Arsenijevic den Goldenen Bären in der Sparte Kurzfilm und heimste sogar eine Oscar-Nominierung ein.

Gestern stellte er - mittlerweile das dritte Mal auf der Berlinale - seinen neuesten Film vor: Love And Other Crimes. Dieser wurde übrigens vom ORF koproduziert.

Seine Fangemeinde war ebenfalls da. Volle Ränge, unter ihnen sehr viele Serben, die gleich ihre ganze Familie mitnahmen.

In dem Film wird die Geschichte von zwei Menschen erzählt. Anica ist die Geliebte Milutins, der in der Gegend ein einflussreicher Krimineller ist. Stanislav, sein Schützling, treibt regelmäßig Schutzgeld für ihn ein. Sowohl Anica als auch Stanislav sehen für sich keine Zukunft mehr in Serbien und erwägen, das Land zu verlassen. Parallel zu der Handlung entwickelt sich so eine sehr subtile Liebesgeschichte, die den sonst so tristen Alltag mit Leben füllt.

Das alles geschieht in einem Belgrader Stadtteil, der ein endloses Trabantenviertel zu sein scheint. Weit und breit kein Ausweg aus der Betonhölle. Schutzgeld und Korruption ist hier ebenso Alltag wie der leere Kühlschrank. Aber man hat sich damit abgefunden: Proteste gegen die Schmiergelder sind sinnlos. Jeder kennt die Spielregeln, Opfer und Täter haben sich arrangiert.

Den emotionalsten Moment erlebte ich, als Milutins 14-jährige Tochter seelenruhig mit nur einem Fuß auf dem Dach steht, vor ihr der Abgrund. Als ihr Vater das sieht, will er zu ihr hocheilen. Da jedoch der Fahrstuhl mal wieder defekt ist, muss er dutzende Etagen zu Fuß ersteigen. Minuten, die wie die Ewigkeit anmuten!

Arsenijevics Film liebäugelt stets mit dem Pathetischen, ohne jedoch kitschig zu sein. Bei all der Tragik ist dennoch nichts aussichtslos, irgendwie schlängeln sich die Figuren aus Love And Other Crimes immer durch. Starker Film!

kretsch am 11.2.08 15:57


Der ewige Träumer

Die Retrospektive der Berlinale ist heuer dem Mann gewidmet, der schon in seinem ersten Film dem Publikum gezeigt hat, wie es aussieht, wenn man ein Auge mit einem Messer zweiteilt: Luis Bunuel.

Ich besuchte gestern eine Vorstellung aus seinem Spätwerk: Der diskrete Charme der Burgeoisie. Im Vorfeld wurde überraschenderweise noch ein 6-minütiger Kurzfilm aus 1930 gezeigt: Man sieht einen älteren, rundlichen Mann, der genussvoll Austern in sich hinein stopft und sich Hochprozentiges von seiner ebenso rundlichen Frau einschenken lässt. Mehr braucht Altmeister Bunuel offensichtlich nicht, um schallendes Gelächter im rappelvollen Kinosaal auszulösen.

Dann folgte der Hauptfilm. Das Publikum wirkte sehr durchmischt, wie häufig bei der Berlinale waren die verschiedensten Generationen und sozialen Schichten vertreten. Gefallen hat es aber allen. Mein Ratschlag: Jeder, der sich schon mal über die "political correctness" und scheinheiligen Moralvorstellungen der Bildungsbürger geärgert hat, der sollte sich dieses zynische Meisterwerk dringend ansehen.

Und das wird auch in Wien möglich sein: Das Filmmuseum zeigt ebenfalls die gesamte Retrospektive zu Ehren Bunuels. Los geht's mit Teil 1 des Gesamtwerks am 21. Februar.

Neugierig? hier kommt ihr zum Programm: Programm im Wiener Filmmuseum

kretsch am 10.2.08 19:23


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